Blaumeise Beringung
Vogelberingung

Das 1×1 der Vogelberingung

*enthält unbezahlte Werbung

Ein kleiner Exkurs in die Historie

Die Vogelberingung im Stil, wie sie heute in der Wissenschaft angewandt wird, geht auf Hans Christian Cornelius Mortensen zurück. Der Däne erfasste als Erster 1899 systematisch Vögel. Er befestigte ihnen Aluminiumringe mit damals noch integrierter Rücksendeadresse und Nummernfolge am Bein. Die erste ornithologische Forschungsstation überhaupt wurde 1901 von Johannes Thienemann in Rossitten (heute: Ryabatschi) im ehemaligen Ostpreußen gegründet. 1903 übernahm die Vogelwarte Rossitten die Methode von H.C.C. Mortensen und der Erfolgszug der Vogelberingung nahm seinen Lauf.

Wo werden Vögel beringt?

Es gibt in Deutschland 3 große Vogelwarten (Helgoland, Hiddensee und Radolfzell). In Österreich erfolgt die Koordination der Vogelberingung über die Österreichische Vogelwarte (Austrian Ornithological Centre – AOC). Die Vogelwarte Sempach ist in der Schweiz zuständig für die Vogelberingung.

Die Vogelwarten der jeweiligen Länder koordinieren die Beringungsstationen und Aktivitäten nach vorgegebenen Richtlinien. Diese enthält beispielsweise, wann und in welchen Abständen Vögel gefangen und beringt werden dürfen. Zudem gibt sie Vorgaben über Ringgröße und Fangverfahren.

Interessierte Gäste sind bei der Vogelberingung immer Willkommen 🙂

Es gibt neben den Vogelwarten viele kleinere und größere Beringungsstationen. An denen können interessierte Menschen ehrenamtlich mitarbeiten.

Natürlich gibt es noch viele andere Stationen, aber damit erhältst du einen kleinen Überblick.

Wofür werden die Vögel eigentlich beringt?

Durch die Vogelberingung erhalten Wissenschaftler und Vogelkundler wichtige Informationen aus mehreren Bereichen eines Vogellebens. Beispielsweise bringen Ringfunde und Wiederfänge (Vögel, die schon beringt sind und erneut in Netzen gefangen wurden) Erkenntnisse über das Zugverhalten von Vögeln. Gibt es zum Beispiel Unterschiede in den Zugrichtungen über mehrere Jahre? Zudem erfährt man durch die Vogelberingung auch noch folgende Dinge…

Die wichtigsten Fragestellungen bei der Vogelberingung:

  • Was machen Jungvögel? Bleiben sie im Gebiet, können sie Reviere etablieren oder wandern sie ab?
  • Sind die beringten Vögel ortstreu? Daraus lassen sich mitunter Verhaltensmuster für Gebiete und Arten ermitteln.
  • Wie lange sind Vogelpaare zusammen?
  • Welche Höhe hat der jährliche Bruterfolg?
  • Wie hoch ist die Lebenserwartung und wodurch könnte sie verringert worden werden?

Aus diesen Daten lassen sich viele Informationen gewinnen und ableiten. Sie können auch mit anderen Daten verschnitten werden. Zum Beispiel lässt sich der Bruterfolg mit Wetterdaten vergleichen. Haben beispielsweise trockene Jahre Auswirkungen auf die Nahrungsverfügbarkeit der Vögel und damit indirekt auf den Bruterfolg? Oder aber auch direkt durch Kälteeinbrüche und lang andauernde Schlechtwetterphasen?

Wie du siehst, alleine mit dem Beringen ist es nicht getan. Es ergeben sich daraus viele neue Fragen, aber auch Antworten. Und natürlich heißt eine Antwort nicht, dass diese jetzt überall gilt. Vieles ist auch stark von dem Gebiet und dem Verhalten der Vögel in diesen Gegenden abhängig. Aber gerade diese vielen Möglichkeiten der Forschung mit schon vielen Antworten und mindestens noch genauso vielen offenen Fragen macht die Welt der Vogelberingung und -beobachtung soo unglaublich spannend 🙂

Was benötigt man an Equipment zur Vogelberingung?

Für die Beringung von Vögeln sind folgende Dinge nötig:

  • Japannetze zum Fangen der Vögel
  • Stoffbeutel für den Transport der Vögel
  • Ringe – diese werden von der zuständigen Vogelwarte des Landes (Bundeslandes) bezogen
  • Messschieber
  • Lineal zur Flügel- und Teilflügelmessung
  • eine spezielle Zange für die Ringe
  • Waage zur Gewichtsbestimmung
  • Beringerhandbuch
  • motivierte Helferlein und Beringer 🙂
Ringe, Waage, Flügellineale, Zange, Schiebelehre
Ringe und nötige Messgeräte zur Vogelberingung. Ein Beringerhandbuch ist immer dabei (z.B.Lars Svenson – Identification Guide to European Passerines).

Welche Daten werden während der Beringung erhoben?

Zuerst wird festgestellt, was es für eine Art ist. Dies passiert in der Regel schon während der Herausnahme des Vogels aus dem Netz.

Der zuständige Beringer stellt anschließend Alter und Geschlecht des Vogels fest. Je nach Jahreszeit und Mauserzustand (Gefiederwechsel) kann festgestellt werden, ob es sich um Diesjährige Vögel (Jungvögel, die im aktuellen Jahr geschlüpft sind) oder Vorjährige Vogel (Vögel, die mindestens im Vorjahr geschlüpft sind) handelt. Nicht immer ist dies ganz eindeutig zu erkennen. Ob ein Vogel 2, 3 Jahre oder älter ist, kann nicht festgestellt werden anhand des Gefieders. Anhand der Ringnummer bei Wiederfängen kann nachvollzogen werden, wann der Vogel beringt wurde, und welches Alter er zu der Zeit hatte.

männliche Amsel
Ein vorjähriges, adultes Amselmännchen (Turdus merula). Der Schnabel hat schon seine typische orange-gelbe Färbung.

Im Anschluss erhält der Vogel seinen Ring aus Aluminium. Durch diesen Ring wird der Vogel in einer internationalen Datenbank erfasst. Je nach Art und Familie gibt es verschiedene Ringgrößen. Die Aluminumringe beeinträchtigen die Vögel weder aufgrund ihres Gewichtes noch fügen sie ihnen Verletzungen zu. Ein Ring mit passender Größe wird immer am rechten Bein des Vogel mit Hilfe einer speziellen Zange angebracht. Er sitzt locker genug, dass er das Vogelbein nicht einengt. Ist ein Vogel einmal ausgeflogen, verändert sich die Stärke seiner Beine nicht mehr. Somit benötigt der Vogel keinen neuen Ring mehr im Laufe seines Lebens.

Mitunter verlieren Vögel ihre Ringe oder sie verenden aus bekannten oder unbekannten Gründen. Anhand dieser Ringfunde können dann ebenfalls Informationen über Alter, Zugroute etc. gewonnen werden. Solltest du einen Ring finden, dann melde ihn bitte bei der für deine Region zuständigen Beringungszentrale (z.B. Österreich: Österreichische Vogelwarte AOC)

Am linken Bein wird die Länge des Tarsus (= Laufknochen) gemessen. Dabei wird der Messschieber an einer kleinen Einkerbung jeweils am Intertarsalgelenk und Mittelzeh des Vogelbeines angesetzt. Hierbei kann es häufig zu Messfehlern kommen. Der Messschieber kann leicht an den Einkerbungen abrutschen. Mit etwas Übung ist diese Messung aber in wenigen Sekunden erledigt. Die Tarsuslänge ist vergleichbar mit unserer Schuhgröße. Der Tarsus wächst allerdings nicht mehr, sobald der Vogel flügge ist.

Kohlmeise bei der Messung der Tarsuslänge.
Messung der Tarsuslänge bei einer Kohlmeise (Parus major). Messschieber von Ecotone.

Als nächstes werden Flügellänge und Teilfederlänge gemessen. Bei der Teilfederlänge wird ein spezielles Lineal mit einem kleinen Pin am oberen Ende zwischen die 2. und 3. Feder der Handschwingen geschoben. Anschließend wird die Länge der 3. Handschwinge gemessen. Bei der Messung der Flügellänge wird die Länge zwischen Handwurzelknochen und der längsten Handschwinge gemessen. Durch genügend Erfahrung im Beringen werden etwaige Messfehler minimiert. Sind die Handschwingen zu stark beschädigt oder fehlen, können diese Messungen nicht durchgeführt werden. Dies wird im Protokoll als Anmerkung bei dem jeweiligen Vogel vermerkt.

Flügelmessung bei einem Rotkehlchen (Erithacus rubecula). Zur Sicherheit liegt ein Beringerhandbuch (Demongin – Identification Guide to Birds in the Hand) griffbereit.

Auch Fett- und Muskelmasse werden bei der Vogelberingung bestimmt. Dabei bläst der Beringer auf das Bauchgefieder der Vögel, um einen Blick auf Furcula (= Gabelbein), Brust und Bauch zu erhaschen. Fett und Muskeln werden in verschiedene Klassen eingeteilt. Zur Fettbestimmung werden 8 Klassen herangezogen, zur Muskelbestimmung 4.

Anschließend wird das Gewicht des Vogels festgestellt. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Der Vogel kann mit Hilfe einer Federwaage (ähnlich einer Kofferwaage) gewogen werden. Oder auch mittels einer handelsüblichen Tischwaage und einem Trichter. Die Trichter sollten innen glatt sein, damit sich das Vogelgefieder nicht verhaken kann. Oftmals sind solche Trichter Eigenkonstruktionen, die ihren Zweck aber sehr gut erfüllen 😉 Der Vogel wird kopfüber in diesen Trichter gesteckt. Das mag im ersten Moment etwas martialisch aussehen. Es ist aber eine schnelle und schonende Methode zur Messung des Gewichtes. Der Trichter ist am unteren Ende stets offen.

Höhlenbrüter, wie Kohl- und Blaumeise, versuchen mitunter tiefer in den Trichter zu gelangen. Dadurch lassen sich oft ihre Beinchen nicht mehr fassen. Aber durch leichtes Pusten von unten in den Trichter wandern sie wieder nach oben.

great tit weight measurement
Eine Kohlmeise (Parus major) beim Wiegen.

Nachdem all diese Daten erhoben worden sind, wird der Vogel wieder frei gelassen. Manche Arten, die etwas stressanfälliger sind, zum Beispiel Drosseln oder Gimpel (Dompfaff), werden vorranging beringt. Es werden auch nicht alle Arten in solchen Japannetzen gefangen. Große Greifvögel, wie Kaiseradler oder Seeadler, werden meist direkt im Nest beringt. Oftmals erhalten diese Vögel auch einen Sender zur besseren Ortung.

So, damit hast du einmal einen kleinen Einblick in die Welt der Vogelberingung erhalten. Wenn du noch offene Fragen, Wünsche oder Anregungen hast, dann hinterlasse mir doch einen Kommentar 🙂

Janette

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