Das erste Mal Mauersegler kartieren

[Ein Gastbeitrag von signhorses]

Normalerweise beobachte ich wilde Pferde und Pflanzen, doch diesmal hat es mir eine ganz andere Spezies angetan: Vögel. Genauer gesagt Mauersegler (Apus apus).
Mauersegler sind eigentlich Felsbrüter, aber auch Kulturfolger. Im Zuge der Urbanisierung haben sie begonnen, in den Städten zu brüten. Dort gehen jedoch in letzter Zeit durch bauliche Instandsetzungen die Brutplätze dieser sehr nistplatztreuen Vögel verloren. Umso wichtiger ist es, die bestehenden Brutplätze zu kartieren. Dabei kommen wir ins Spiel. In vielen Fällen werden die Kartierungen von Ehrenamtlichen getätigt.  Eine von denen ist meine Schwester Janette (Felinigrad) und sie hat mich vor Kurzem auf eine ihrer Kartierungstouren mitgenommen.

19.58 Uhr „Am Anfang ist es wie eine Schnitzeljagd…“

Wir machten uns an einem lauen Sommerabend auf den Weg, denn die Dämmerung eignet sich am besten. Nur Elterntiere verbringen die Nacht im Nest, daher stehen die Chancen, einen Mauersegler beim Ein- oder Ausflug zu seinem Nest zu beobachten während der Dämmerung am besten.

Tipp: beim ersten Mal bestehende Nistplätze beobachten.

Janette zeigte mir zuerst einige Brutplätze, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wo Mauersegler brüten könnten. Gebannt folgte ich ihren Worten, denn die Nistplätze sind sehr vielfältig: mal brüten sie in Spalten zwischen Gebäuden, ein anderes Mal in kleinen Lücken unter dem Traufenblech oder in Spechtlöchern. In Neubauten finden sie allerdings immer weniger Nistplätze, da die Fassaden meist sehr glatt sind, das heißt, sie verfügen über wenig Nischen, Spalten oder Dachüberhänge. Außerdem müssen die Brutplätze frei anfliegbar sein, weil sie erst immer wieder im Bogen am Nest vorbeifliegen und dabei „schreien“ – die sogenannten screaming parties.
Mauersegler verbringen fast ihr gesamtes Leben in der Luft. Sie fressen und schlafen in der Luft. Wahre Luftakrobaten also. Erst mit etwa 3 Jahren haben sie bei ihrer ersten Brut wieder festen Boden unter den Krallen. 

20.16 Uhr „Wie eine Fledermaus mit langen Flügeln.“

Fledermäuse, Schwalben und Mauersegler sehen im Flug für mich alle gleich aus. Doch nach und nach erkenne ich die feinen Unterschiede: Die Flügel wie ein Bumerang gebogen, der kurze gegabelte Schwanz, der helle Kehlfleck…. Doch am besten erkennst Du Mauersegler an ihrem Ruf: das feine srii-srii erinnert mich entfernt an Grillenzirpen. Bestimmt hast Du es auch schon gehört.

Tipp: Ein Fernglas kann dir zu Beginn helfen potenzielle Nistplätze von Mauerseglern leichter zu entdecken.

20.25 Uhr „Schau mal, eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben sind da gerade. Sie kommen langsam runter.“

Normalerweise kreisen Mauersegler hoch oben in der Luft. Wenn sie tiefer fliegen brüten sie möglicherweise in der Nähe. Mauersegler, die noch keinen eigenen Brutplatz bezogen haben, fliegen potenzielle Brutplätze an, bleiben kurz daran hängen und schlagen dabei mit den Flügeln gegen den möglichen Brutplatz um zu testen, ob dieses schon besetzt ist. Dieses Verhalten wird auch als „bangen“ bezeichnet.

Tipp: Für ein richtig gutes Foto eines Mauerseglers brauchst du mehr als nur eine Handykamera.

Wir entschieden uns in einer Wohnanlage, über der zahlreiche Mauersegler kreisten und es verschiedene Brutmöglichkeiten gibt, zu kartieren. Um eine standardisierte Kartierung durchzuführen, blieben wir eine halbe Stunde nach der Kartierungsmethode von Sudbeck et al (2015).

Tipp: Ein Kartierungsbogen hilft dir den Überblick zu behalten, wenn du mehrere Nistplätze von Mauerseglern findest.

20.39 Uhr Der erste Vogel ist im Nest 😊

Ab dann kamen die Vögel Schlag auf Schlag, sodass wir uns aufgeteilt haben, um mehrere potenzielle Nistplätze zu beobachten. Insgesamt zählten wir fünf bewohnte Nistplätze an diesem Abend.

20.50 Uhr „Zählen Sie hier etwa Vögel?“

…sprach mich auf einmal eine Passantin an, während ich gebannt auf eine Hauswand starrte, in der wenige Sekunden zuvor ein Mauersegler verschwunden ist. „Ja genau!“ antwortete ich und die Dame erzählte mir, dass sie selbst regelmäßig an Vogelzählungen, wie der Stunde der Wintervögel im Januar, teilnimmt. Dann schauten wir gemeinsam auf die Wand und hatten Glück: nur wenige Minuten später verschwand ein zweiter Mauersegler in seinem Nest.
Doch nicht alle Menschen reagieren so positiv, denn natürlich erweckt das Starren auf Häuser und Wohnanlagen auch einen kriminellen Anschein. Man sollte sich also immer gut erklären können, was man da gerade tut…

„Es ist so ein bisschen Learning by Doing. Du bekommst eine erste Einführung, dann siehst Du so ungefähr, wie es läuft und dann musst Du dafür ein Gespür entwickeln… und Dich nicht überfahren lassen.“

Tipp: Eine besinnliche Abendstimmung erhältst du inklusive!

Mit diesem Satz, der mich so sehr an die Pflanzenbestimmung erinnert, möchte ich mich für den kleinen Einblick in die Vogelwelt bei meiner Schwester bedanken und allen Lesern ans Herz legen, einmal ganz aufmerksam in den Himmel zu schauen. Vielleicht brüten ja auch in Deinem Haus Mauersegler. Mit ihrer Kartierung trägst Du wieder ein kleines bisschen zum Naturschutz bei.

Sarah von SignHorses

Literatur:

SUDBECK, P., H. ANDRETZKE, S. FISCHER, K. GEDEON, T. SCHIKORE, K. SCHRODER & C. SUDFELDT (Hrsg.; 2005): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvogel Deutschlands. Radolfzell.

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