Wasserpark in Wien 21
Vogelbeobachtung im Winter in Wien

Überwinternde und heimische Wasservögel zählen

Letztes Wochenende war es wieder soweit. Im schönsten Sonnenschein begann für mich der Tag der Winterwasservogelzählung, welche bis zu 5x im Jahr stattfindet. Von November bis März werden heimische, aber auch überwinternde Wasservögel österreichweit an Gewässern gezählt. Meine Kollegen und ich sind an den verschiedensten Gewässern unterwegs zum Beispiel am Viehofener See in Niederösterreich, entlang der Donau, im Wasserpark in Wien oder an der Oberen Drau in Osttirol. Die Natur und Vogelwelt üben dabei ihren ganz eigenen Charme aus. Und Spass macht es obendrein.


Warum werden heimische und überwinternde Wasservögel gezählt?

Je nachdem, wie genau du schon einmal die Vogelwelt in deiner Umgebung beobachtet hast, ist dir vielleicht schon aufgefallen, dass sich die Bestände vieler Vogelarten verringern. Dies gilt nicht nur für Singvögel, die den heimischen Garten oder Balkon besuchen. Auch Wasservögel sind von solchen Rückgängen nicht verschont geblieben. Anhand der Zählungen im Winter kann festgestellt werden, welche Arten und wieviele Wasservögel an den Gewässern überwintern. Nun denkst du dir vielleicht, außer den heimischen Wasservogelarten wie Stockenten (Anas platyrhynchos), Möwen (Laridae) und Schwänen (Cygnus) lassen sich in der Großstadt kaum Vögel am Wasser beobachten. Ein flinkes Teichhuhn (Gallinula chloropus) oder der Eisvogel (Alcedo atthis), oftmals nur als blau-orangener Strich in der Landschaft vorbeizischend, werden dir aber das Gegenteil zeigen. Im Wertheim-Steinpark im 19. Bezirk in Wien sehe ich immer wieder ein Teichhuhn, was nahe dem Gebüsch auf Nahrungssuche geht. Auch Graureiher (Ardea cinerea) lassen sich dort oft einmal beobachten. Im Oberen Heustadlwasser im grünen Wiener Prater tummelten sich im Herbst über Wochen Mandarinenten (Aix galericulata).

Graureiher
Ein einsamer Wanderer, nein Graureiher (Ardea cinerea), am Wegesrand der Donau.


Warum findet die Wasservogelzählung im Winter statt?

Viele überwinternde Wasservögel brüten eher in nördlicheren Gefilden, wie in Skandinavien oder den weiten Tundren in Russland. Dabei sind nicht alle Vögel sogenannte Koloniebrüter – sie brüten in Gemeinschaft zu Artgenossen. Darunter fallen zum Beispiel Reiher (Ardeidae) und Kormorane (Phalacrocoracidae). Manche Wasservogelarten, wie zum Beispiel Zwergsäger (Mergellus albellus) oder Schellenten (Bucephala clangula), brüten auch solitär, also einzeln und mitunter mit großen Abständen zu den Gelegen von Artgenossen. Zudem sind sie durch die Vegetation mitunter recht schwer auszumachen, ein Gelege soll ja nicht gleich entdeckt werden. Im Fall von Zwergsäger und Schellente befinden sich die Gelege oft in Bäumen oder Nistkästen, da beide Arten zu den Höhlenbrütern gehören. Große Schwärme von Stechmücken (Culicidae) machen dem Vogelbeobachter zudem das Leben gerne mal schwer in den Sommermonaten. Während der Wintermonate hingegen ziehen viele Wasservogelarten in wärmere Gebiete. Dabei machen sie oft Rast an Gewässern in Österreich oder überwintern auch hier.


Wie werden Wasservögel gezählt?

Das ist immer ganz abhängig davon, wo du unterwegs ist. Bei kleineren und gut zu überblickenden Gewässern reicht es, wenn du mit dem Fernglas unterwegs bist. Im Wasserpark im 21. Bezirk in Wien sind wir meist nur mit dem Feldstecher unterwegs. Über die Distanz kannst du die Graureiher Kolonie und die vielen Blässhühner sehr gut erkennen und zählen. Mit meiner Kollegin, die dieses Gebiet schon seit mehreren Jahren zählt, sind wir immer früh morgens kurz nach Sonnenaufgang auf Beobachtungstour. Zu dieser Zeit sind weniger Besucher im Park und die Vögel sehr aktiv. Es wäre also nicht schlecht, wenn du, zumindest an diesen Wochentagen, ein Frühaufsteher bist 😊 Meist sind wir zu Fuß unterwegs. Du könntest aber auch dein Rad mitnehmen, das hängt ganz von der Strecke ab. Zudem erfordert die Fahrt mit Rad und Spektiv ein wenig Übung. Nicht immer sind die Wege allerdings asphaltiert. Gerade bei Eis und Schnee wird es recht abenteuerlich. Ein gutes Bestimmungsbuch ist immer dabei. Man weiß ja nie, ob es nicht auch ein paar Seltenheiten unter die heimischen Wasservögel verschlagen hat.

Blässralle und Lachmöwe
Lachmöwen (Larus ridibundus) und Blässhühner (Fulica atra) kannst du oft gemeinsam auf dem Wasser beobachten.


Welche Vögel kannst du auf dem Wasser beobachten?

Dieses Mal hatte ich das Vergnügen Samtenten (Melanitta fusca) auf der Donau beobachten zu können. Diese Meeresenten sind selten an österreichischen Gewässern zu sehen. Gänsesäger (Mergus merganser) waren auch in größeren Trupps entlang der Donau unterwegs. Auch Zwergsäger konnte ich diesmal auf meiner Route beobachten. Die an Küken erinnernden Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) sind immer ein besonderes Highlight für mich. Ich möchte jetzt nicht den Ausdruck „niedlich“ verwenden. „Biologisch wertvoll“ ist da doch eher eine passendere wissenschaftliche Bezeichnung 😉. Auch waren wieder viele Möwen anzutreffen, allen voran die Lachmöwe (Larus ridibundus). Aber auch Steppenmöwen (Larus cachinnans), Mittelmeermöwen (Larus michahellis) sowie Sturmmöwen (Larus canus) kannst du immer wieder einmal antreffen. In anderen Gegenden kannst du mitunter auch Wasseramseln (Cinclus cinclus) bei ihrer Nahrungssuche beobachten. Auch Blässhühner (Fulica atra), Kanadagänse (Branta canadensis) sowie Kormorane gehören zu den Arten, die häufig im Wiener Raum an Gewässern zu sehen sind. Diese kurze Liste erhebt natürlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Sie stellt nur einen kleinen, kompakten Auszug dar, was sich so alles an überwinternden und heimischen Wasservögeln an den Gewässern tummelt.

Lachmöwe und Kormoran
Auch “Ein schöner Rücken kann entzücken” heißt es. Kann ich bei Kormoran (Phalacrocoracidae) und Lachmöwe (Larus ridibundus) nur bestätigen.


Wie lange dauert eine Wasservogelzählung?

Das ist ganz unterschiedlich und abhängig von der Länge der Tour, wie viele Vögel anwesend sind und auch von der jeweiligen Witterung. Eine kurze Runde von nur ein paar km dauert in etwa 2 Stunden. Eine größere Runde kann schon mal 4-5 Stunden dauern. Ich bin gerne zu zweit unterwegs. Man kann sich abwechseln beim Notieren der Daten und sich natürlich auch austauschen über die neuesten Beobachtungen, die jeder so gemacht hat. Im Sonnenschein und Plusgraden zählt es sich natürlich am Angenehmsten. Aber auch ein eisiger Wintertag, an dem das Gewässer schon fast zur Gänze zugefroren ist, hat seinen Reiz. Ich bin immer wieder auf´s neue fasziniert, wie Stockente und Co. im Wasser umherschwimmen, während meine Finger schon die Farbe wechseln. Hier auch gleich ein Tipp: das Zwiebelschalen-Prinzip bei der Kleiderwahl ist kein Gerücht. An sehr eisigen Tagen bin ich wirklich dankbar dafür 😊

Auch wenn ich mich manchmal wir ein eingemummeltes Michelin-Männchen fühle und nur noch Nasenspitze und Augen hinter dem Fernglas hervorlugen, so möchte ich die alljährlichen Winterwasservogelzählungen heimischer und überwinternder Arten doch nicht missen. Es gibt viel zu viel zu sehen dafür!

Kleinspecht
Auch der Auen bewohnende Kleinspecht (Dendrocopus minor) blieb bei der Wasservogelzählung nicht unentdeckt. (C) Alexander Müller


Zu guter Letzt

Die Wasservogelzählungen finden nicht nur in Österreich statt, auch in Deutschland und der Schweiz werden interessierte Vogelbeobachter und solche, die es werden möchten, gesucht. Eine schönere Möglichkeit für einen Winterspaziergang am Wasser gibt es fast nicht, oder was meinst du?

Janette

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