Schwalben in Niederösterreich

Rauchschwalbe (Hirundo rustica) im Flug. (C) Bryce Bradford/flickr.com

Fliegende Akrobaten

In diesem Jahr haben ganz besondere Flugkünstler mein Herz erobert, die Schwalben. Allen voran Mehlschwalben (Delichon urbicum) und Rauchschwalben (Hirundo rustica). Mich fasziniert bei diesen beiden Arten vor allem ihre Anpassung an die Veränderungen im menschlichen Siedlungsraum. Für vielen Menschen sind Schwalben als fliegende Glücksbringer bekannt, die Haus und Hof vor Feuer schützen. Sie wurden in der Geschichte aber auch schon als heilig verehrt. In China heißt es, ein Schwalbennest am Haus bedeutet Erfolg und Kindersegen. In heutiger Zeit scheint ihr guter Ruf vielerorts etwas in Vergessenheit zu geraten. Ich möchte jetzt gar nicht allzu sehr auf die Problematik des Insektensterbens eingehen. Darüber findest du hier sehr gute Beiträge:

Lebensraumverlust

Was mich besonders beschäftigt, ist der Verlust an Lebensraum für beide Schwalbenarten. Mehlschwalben sind bekannt dafür, dass sie vorwiegend außerhalb von Gebäuden an Fassaden brüten, oftmals knapp unter Dachvorsprüngen oder unter Balkonen. Aber auch unter Brücken oder in Durchgängen sind ihre Nester zu finden. Diese bauen sie, und darin ähneln sich Mehl- und Rauchschwalben sehr, aus zwischen 600-1500 Lehmkügelchen. Mal mehr, mal weniger. Den Lehm dafür finden beide Schwalbenarten an sogenannten „Gatschlaken“, wie es Österreich heißt. Man kennt sie auch unter dem Begriff Pfützen.

Mehlschwalben beim Nestbau
Mehlschwalben bauen ihre Nester aus Lehm. (C) Martien Brand/flickr.com

Hier liegt schon ein Teil des Problems. Mit zunehmender Asphaltierung von Wegen fällt die Möglichkeit weg, dass sich an ausgefahrenen oder ausgetretenen Stellen an Wegen Lacken bilden können. Auch werden viele Höfe zunehmend versiegelt bzw. stellen sie ihre Nutztierhaltung ein. Dies hat gleich mehrerlei Effekte auf beide Schwalbenarten:

  • Es fallen Misthaufen und matchige Böden weg, die durch die Tiere in Ställen oder auf Weiden geschaffen wurden.
  • Zudem nimmt die Anzahl der Insekten ab – du kennst sicher Ställe, in denen es stets viele Fliegen und andere Insekten gab.
  • Fassadenrenovierungen und Instandsetzungen von Gebäuden – darin besteht natürlich im Grunde nichts Schlechtes, alles muss irgendwann einmal wieder instand gesetzt werden. Problematisch für Schwalben, und andere Gebäudebrüter wie Mauersegler, Haussperling, oder auch Schleiereulen, wird es, wenn Hohlräume geschlossen, Nischen versiegelt und glatter Putz auf die Fassade aufgetragen wird. An diesem können die Nester von Mehl- und Rauchschwalben nicht gut haften und fallen herunter.
  • Schwalben sind sehr standorttreu! Werden ihre Nester bei Renovierungsarbeiten entfernt und es werden keine Nisthilfen für die kommende Brutsaison im Folgejahr bereit gestellt, kann dies unter Umständen zu dem Verlust einer gesamten Kolonie führen, da dieser Brutplatz dann verloren ist, wenn die Langstreckenzieher im April aus ihren Winterquartieren in Afrika zu uns zurückkehren.
  • Neubauten: Besonders schade finde ich es, dass vielerorts alte Gebäude neuen weichen müssen. Diese sind sehr oft architektonisch sehr ansprechend, bieten aber bei genauerem Hinsehen wenig mögliche Brutplätze für Gebäudebrüter – es gibt keine Nischen oder Hohlräumer unter dem Dach und die Fassade ist oft ohne weitere Strukturelemente, wie zum Beispiel Zierleisten (bekannt von Altbauten). Zudem der eben schon angesprochene glatte Putz, der vor allem problematisch ist für Mehlschwalben.
  • Besonders betroffen sind Rauchschwalben: sie nisten bevorzugt in Ställen, da es darin wärmer ist als außerhalb und dies den Jungvögeln in ihren halboffenen Nestern zu gute kommt – solche Räume werden auch als „Warmräume“ bezeichnet.

Es zeigt sich zwar auch immer wieder, dass Rauchschwalben in sogenannten „Kalträumen“ nisten. Damit sind zum Beispiel Lagerhallen gemeint. Studien zeigten aber, dass in diesen Räumen der Bruterfolg geringer ist als in Ställen mit klassischer Nutztierhaltung. Zudem sind die Populationsgrößen meist geringer. Ein spannender Artikel hierüber ist “Der Niedergang der Rauchschwalbe Hirundo rustica in den westfälischen Hellwegbörden 1977 – 2007” (Loske 2008)

Nisthilfen für Schwalben

Nun stellt sich die Frage, bringt es etwas am eigenen Haus und Hof Nisthilfen für Schwalben anzubringen, damit die fliegenden Glücksbringer wieder Nistplätze vorfinden? Diese Frage lässt sich mit Ja beantworten, sie trägt jedoch ein großes ABER mit sich!

Es bringt leider! nur wenig den Schwalben künstliche Nisthilfen anzubieten, wenn die restliche Umgebung des Vögel keine guten Lebensbedingungen bietet. Wir ziehen ja auch in kein Haus ein, was irgendwo im nirgendwo steht, wo wir kaum Möglichkeiten haben Nahrung zu finden. So ergeht es auch Mehl- und Rauchschwalben sowie allen anderen Vogelarten. Beide Schwalbenarten sind Insektenfresser und verfüttern alleine während der Brutzeit über den Sommer bis zu 1 Kilo! Insekten an ihren Nachwuchs. Jeweils, pro Nest! Wie du siehst, ist das eine enorme Menge an Insekten. Bietet nun der Lebensraum nicht dieses Insektenreichtum, bringt auch die schönste Nisthilfe nichts. Damit sich wieder vermehrt Insekten ansiedeln, benötigt es naturnahe Lebensräume. Ein gewichtiger Begriff, der in letzter Zeit in aller Munde ist. Damit sind Wiesen und Weiden gemeint, die viele verschiedene heimische Pflanzenarten beherbergen. Heimische Büsche und Sträucher, Streuobstbestände ohne Pestizidnutzung sowie Wälder bestehend aus heimischen Bäumen ohne allzu starke forstwirtschaftliche Nutzung. Ein monotoner Fichtenwald bringt keinem von uns etwas. Ebenso sind kleine Tümpel und Seen wichtig für Schwalben, da sie dort trinken (übrigens im Flug!) und ebenso ihre Nahrung finden. Zudem bieten ökologisch angelegte Teiche auch vielen anderen Arten, wie Amphibien, Rohrsängern und vielen weiteren Vogelarten einen Lebensraum. Ich habe hier bewusst nicht die Fische erwähnt, da nicht jeder Teich mit Fischen besetzt werden muss und sollte!

Ein paar Tipps vorab

Wenn du Mehl- und Rauchschwalben nun gerne helfen magst, habe ich ein paar Tipps für dich:

  • Finde heraus, wo sich noch oder wieder Nester von Mehl- und Rauchschwalben befinden
    • sind bei dir am Haus oder im Ort keine Nester zu finden, gilt es herauszufinden, warum. Möglichkeiten hierfür können zum Beispiel sein: ein Mangel an Nistmaterial = Gatschlacken in näherer Umgebung, nicht genügend Nahrung im Umkreis von ~500 m zum Nest, der Untergrund für den Nistplatz ist nicht rau genug, sodass die Nester nicht halten, die Aufgabe der Nutztierhaltung in Ställen (dies betrifft vor allem Rauchschwalben)
  • Wichtig ist auch grundsätzlich herauszufinden, welche Schwalbenart bei dir nistet – denn wie oben schon beschrieben, haben beide Arten unterschiedliche Ansprüche an ihren Nistplatz.
  • Mach mit bei Projekten über Schwalben bekannter Vogelschutzorganisationen, damit diese einen Überblick über die Bestände erhalten. Denn bedenke, auch wenn in diesen Organisationen viele Wissenschaftler ihr Bestes tun, um Schwalben zu helfen, so können sie nicht in jeden Garten oder Hof schauen und sind daher auf dich angewiesen, da du direkt vor Ort sein kannst und den besten Überblick über die Nester der Schwalben hast!

Wie du Schwalben direkt helfen kannst

Wenn sich in deiner Umgebung viel naturnaher Lebensraum mit heimischen Pflanzen und viel Insekten befindet, aber keine Schwalben bei dir am Haus einziehen möchten, dann kannst du ihnen helfen, in dem du:

  • sogenannte Gatschlacken schaffst. Dabei handelt es sich um kleinere matschig-lehmige Pfützen, idealerweise an einem Ort, der gut für beide Schwalbenarten anfliegbar ist, z.B. ein kaum befahrener sandiger Feldweg in offener Landschaft oder auf einer Wiese bei einem benachbarten Landwirt (in diesem Fall aber bitte dies auch vorher mit dem Landwirt abklären 😊 ). Die Gatschlacke sollte zudem zwischen April und Juni immer feucht gehalten werden. Somit ist dies eine etwas aufwendigere Hilfestellung.
  • künstliche Nisthilfen anbietest. Diese kannst du im gut sortierten Fachhandel erwerben oder auch selbst bauen. Anleitungen für den Bau eines Schwalbennestes findest du z.B. beim NABU. Mehlschwalben bevorzugen Nistplätze nahe unterhalb des Daches, ihre halbkugelförmigen Nester sind dabei bis auf ein kleines Einflugloch geschlossen. Sie brüten auch gerne in Gemeinschaft, daher empfiehlt es sich hier immer mehrere künstliche Nisthilfen anzubringen. Rauchschwalben brüten innerhalb von Gebäuden, ihre Nester sind eher Halbschalen, welche ca. 15-20 cm unterhalb der Decke angebracht werden. Zudem bevorzugen sie einen gewissen Abstand zum nächsten Nest, 1- 1 1/2 m haben sich hier als praktisch erwiesen.
  • die Nisthilfen an der wind- und regengeschützten Seite deines Hauses anbringst. Dies ist natürlich vorwiegend für Mehlschwalben relevant. Der Anflugbereich zum Nest sollte für beide Schwalbenarten frei zugänglich sein: keine Bäume oder Drähte direkt vor dem Nest oder Mauervorsprünge. Bei Rauchschwalben ist es zudem wichtig, dass sie immer die Möglichkeit haben zu ihrem Nistplatz im Gebäude zu gelangen. Daher sollte immer eine Einflugmöglichkeit, z.B. ein geöffnetes Fenster, gegeben sein.
  • Fühlen sich bei dir Schwalben wohl, du ärgerst dich aber etwas über die Kotspuren, die die Jungvögel an deiner Fassade hinterlassen, dann kannst du sogenannte Kotbretter unterhalb des Nestes anbringen. Dabei handelt es sich um ein ca. 30 cm breites Brett, welches etwas 30-50 cm unterhalb des Nestes an die Fassade angebracht oder am Dachvorsprung aufgehängt wird. Wenn du das Brett in einem Winkel von ca. 45° anbringst, verhinderst du, dass es für Tauben als Sitzgelegenheit genutzt wird. Zudem haben es potenzielle Nesträuber schwerer sich darauf zu halten. Der Kot von Mehl- und Rauchschwalben ist übrigens ein sehr guter Dünger für deine Pflanzen im Garten und auf dem Balkon. Damit schließt sich auch wieder der Kreislauf 😊

Zu guter Letzt

Auch wenn du jetzt alles beherzigst, kann es natürlich dennoch sein, dass sich keine Schwalben bei dir ansiedeln. Mitunter benötigt dies auch etwas Zeit, bis eine der beiden Arten auf die von dir angebotenen Hilfestellungen aufmerksam wird, da Schwalben sehr ortstreu gegenüber dem Nistplatz sind, den sie bisher nutzten. Kannst du allerdings auch deine Nachbarn und Freunde für Schwalben begeistern, dann kommt ihnen das natürlich auch zu Gute. Denn warum sollten denn nicht wir Menschen auch einmal ein Glücksbringer für Schwalben sein 🙂

Schon seit vielen Jahren haben es mir übrigens Mauersegler (Apus apus) angetan. Ihre schnellen Flugmanöver am Himmel, ihre rasanten, von „Schreien“ unterlegten Streifzüge zwischen den Häusern..Ich liebe es einfach! Einen tollen Beitrag über Mauersegler hat auch SignHorses darüber geschrieben, schau einmal rein 😊

Ich teile gern...

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