Blick ins Thal

Von Wien auf die Vogelberingungsstation Subigerberg

Kennst du das? Kaum ist der eine Urlaub vorbei, juckt es dir schon wieder in den Füßen nach neuen Abenteuern? So ging es mir, als die Zeit der Vogelberingung 2017 zu Ende ging. Ich wollte am liebsten gleich wieder aktiv werden. Somit habe ich mir kurzerhand den Laptop geschnappt und das werte, allwissende Internet nach weiteren Möglichkeiten zur Beringung von Vögeln durchstöbert.


Die Planung

Eine gute Erreichbarkeit und auch der Zeitraum für die Vogelberingung waren wichtige Faktoren, die in die Ortswahl mit eingeflossen sind. Ich wollte gerne wieder im Herbst auf eine Beringungsstation (im Hochsommer ist es einfach oftmals viel zu heiß und es fliegen wenige Vögel in die Netze). Somit war die Station auf dem Subigerberg im schönen Naturpark Thal im Kanton Solothurn meine Wahl für das kommende Jahr. Die Beringungsstation wird vom Vogelschutzverein Solothurn (VVS) und BirdLife Solothurn betrieben.

Naturpark Thal im Kanton Solothurn.
Naturpark Thal im Kanton Solothurn.


Die Reise geht los

Im Oktober 2018 hieß es endlich „Grüetzi Schwiz“.  Die Beringungs- und Beobachtungsstation Subigerberg lässt sich von Wien aus gut mit dem Nachtzug über Zürich und kurzem Umstieg in Solothurn und Gänsbrunnen erreichen. Von Gänsbrunnen aus gibt es einen idyllischen Wanderweg, der sich „Husis Reise“ (Husi= der Hausrotschwanz) nennt, welcher zur Beringungsstation führt. Der Weg ist ideal für Familien mit Kindern, da es mehrere Stationen gibt, an denen Jung und Alt etwas über „Husi“ und das Solothurner Jura lernen können. Alternativ gibt es auch den Weg über eine befestigte Straße, der auch schön, aber weniger idyllisch ist. Da ich mit einem schweren Wanderrucksack unterwegs war, war die Straße aber meiine erste Wahl. Vom Bahnhof in Gänsbrunnen bis zur Beringungsstation brauchst du ca. eine Stunde. Wenn du die Kuhglocken läuten hörst, bist du nicht mehr weit weg. Die Station liegt in einer Talmulde eingebettet auf ca. 957m ü. NN. Es gibt ein Gebäude für die Vogelberingung mit angrenzendem Schauraum über ziehende und heimische Vögel der Schweiz und natürlich auch über „Husi“. Dort kannst du es dir gemütlich machen und an den Tischen dein Picknick genießen oder auch mit auf „Netzrunde“ gehen. Gegenüber befindet sich das Wohnhaus der Beringer und fleißigen Helferlein der Station. Im Wohnhaus gibt es drei kleine, abgetrennte Räume, so dass du trotzdem ein bisschen Ruhe für dich hast.

Themenweg Hausrotschwanz
Auf den Spuren des Hausrotschwanzes.

Für wen ist der Subigerberg interessant?

Ob jung oder alt, schon erfahrener Vogelkundler oder Neuling in dem Gebiet. Wenn du Interesse an der Vogelberingung, deren Zugrouten oder den Schweizer Bergen hast, kannst du dich über die Website des VVS/BirdLife Solothurn informieren. Die nächste Beringungsaktion im Herbst findet vom 29. September bis 25. Oktober 2019 statt.

Sonnenuntergang
Die Sonnenuntergänge bei der abendlichen Netzkontrolle waren nicht zu verachten.


Sonnen-oder Schattenseite?

Bei „Sonnen- und Schattenseite“ handelt was ich um die beiden Hänge, an denen die Fangnetze link für die Vögel aufgestellt sind. Zu den Netzen auf der „Sonnenseite“ führt dich ein etwas steilerer Weg. Trittsicherheit ist hier vorteilhaft, da es gerade in den Morgenstunden recht rutschig sein kann. Dafür wirst du mit einem grandiosen Ausblick belohnt. Besonders schön sind die letzten Runden am Abend während des Sonnenunterganges. In der Nacht kannst du mit etwas Glück und guten Ohren auch die Waldohreulen (Asio otus) rufen hören. Nach einer Weile kannst du mit etwas Übung auch die Rufe der männlichen und weiblichen Waldohreulen unterscheiden.

Blick ins Thal
Viel Sonnenschein gab es immer bei den Netzrunden.

Die erste „Netzrunde“ findet stets kurz nach Sonnenaufgang statt. Mit „Netzrunde“ ist gemeint, dass die Fangnetze für die Vögel auf etwaige Fänge kontrolliert werden. Dies sind zum Beispiel Rotkehlchen (Erithacus rubecula) oder Amseln (Turdus merula). Um die Vögel aus den Netzen zu befreien, benötigt du etwas Fingerspitzengefühl. Die gefangenen Vögel werden dann in kleinen Stoffbeutel in den Beringerraum gebracht. Der Beringer bringt einen kleinen Aluring am rechten Bein des Vogels an, wenn dieser noch unberingt ist. Die Beringung von Vögeln findet schon seit mehreren Jahrzehnten auf dem Subigerberg im Kanton Solothurn der Schweiz statt. Im Jahre 2018 feierte die Station ihr 50. Jubiläum.


Vogelzug

Hin und wieder kam es vor, dass nur wenige Vögel in die Netze flogen und wir mir nichts, dir nichts mit dem Beringen fertig waren. Dann schauten wir einfach gen Himmel und zählten die mitunter riesigen Trupps an Zugvögeln. Dabei flogen die Vögel nicht immer nur in sehr großen Höhen, wo es oftmals schwer sein kann die genaue Art zu erkennen. Viele Schwärme von Buchfinken (Fringilla coelebs) oder Erlenzeisigen (Carduelis spinus) flogen auch in geringeren Höhen und die Färbung war wirklich gut zu erkennen. Große Trupps an Ringeltauben (Columba palambus) können dir hingegen das Zählen etwas erschweren 😉 .

Certhia familiaris
Diesen schönen Waldbaumläufer (Certhia familiaris) zu beringen, war ein besonderes Highlight.

Besonders eindrucksvoll waren auch die in der Thermik kreisenden Rotmilane (Milvus milvus). In Ostösterreich sind Rotmilane mittlerweile leider recht selten geworden. In der Schweiz hingegen kannst du sie sogar ganz einfach aus dem Auto heraus beobachten, wenn sie während der Nahrungssuche über Felder und Wiesen fliegen. Auch Sperber (Accipiter nisus), Habichte (Accipiter gentilis) und natürlich Mäusebussarde (Buteo buteo) sowie Turmfalken (Falco tinnunculus) nutzen die Thermik während ihrer Jagdflüge.

Sperber
Ein junger Sperber (Accipitter nisus) wurde auch beringt.


Was du neben der Vogelberingung sonst noch erleben kannst

Die Region des Naturpark Thals ist wirklich schön gelegen und wenn gerade nicht viele Vögel ziehen oder zum Beringen sind, kannst du dich einmal auf „Husis Reise“ begeben, oder über kleinere Wanderwege die nähere Umgebung erkunden. Für das leibliche Wohl wird auf der Station gesorgt. Wenn du die Schweizer Küche bisher noch nicht kennenlernen konntest, dann bekommst du hier die Möglichkeit dazu. Internet hast du nur, wenn du dir eine Schweizer Wertkarte mit Freieinheiten zulegest. Was ich dir empfehlen würde, denn bisher sind die Roaming-Gebühren nicht gerade zu verachten. Die Schweiz gehört ja nicht zur EU. Dennoch brauchst du eher eine gute Kamera als Internet, denn die Natur und die Vogelwelt übten ihre ganz eigene Faszination aus. An den Abenden haben wir oft lange zusammengesessen. Das Schöne auf Beringunsstationen ist, dass du unter Gleichgesinnten bist. Somit gibt es kaum Probleme untereinander, auch wenn man sicher bisher nicht kannte.

Zu guter Letzt

Wenn du einmal eine Vogelberingung aus nächster Nähe kennenlernen, und dabei auch noch Urlaub in den Bergen machen möchtest, dann wirst du dich auf dem Subigerberg ganz sicher wohl fühlen. Und noch dazu leistest du einen wichtigen Beitrag für die Wissenschaft, denn vieles ist noch unbekannt über den Vogelzug oder die Bestandsentwicklung der Vogelpopulationen.

Janette

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2 Kommentare

  • Sarah

    Toller Beitrag – da bekommt man gleich Lust, so etwas auch mal zu machen. Kann jeder Mensch einfach so bei einer Vogelberingung teilnehmen? Oder gibts da spezielle Voraussetzungen?

    • janette

      Hallo Sarah,
      schön, das du wieder vorbeischaust 🙂
      Also im Grunde musst du keine besonderen Voraussetzungen mitbringen. Du solltest ein wenig Fingerspitzengefühl und Geduld aufweisen, denn manche Vogelarten, wie zum Beispiel Meisen, können sich recht stark in den Netzen verheddern und dabei kann es schon mal etwas kniffliger werden. Da du die Vögel ohne Handschuhe angreifst, solltest du keine Scheu haben sie vorsichtig in die Hand zu nehmen. Manchmal kann es auch sein, dass sie sich evtl. erleichtern, während du sie aus dem Netz befreist. Es ist ja doch eine stressige Situation für die Vögel. Aber du wirst schnell lernen die Tiere richtig zu händeln und bekommst natürlich zu Beginn alles genau gezeigt. Es ist auch am Anfang immer jemand dabei, der schon erfahren ist.
      Also wenn du einmal die Natur und Vogelwelt auf eine ganz neue Art und Weise kennenlernen magst, dann schaue ruhig einmal ins Internet…bestimmt gibt es auch in deiner Nähe Beringungsstationen, die sich über Hilfe freuen 🙂

      Lieb Grüße,
      Janette

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